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11. August 2012: JEAN GUILLOU

JEAN GUILLOU (PARIS)

Internationaler Orgelsommer 2012

Er ist fast schon legendär: der brillante, 82-jährige Konzertorganist aus Paris zählt zu den letzten großen Vertretern französischer Improvisa-tionskunst des 20. Jahrhunderts. So ist sein Konzertprogramm – neben einem Ausflug in den Barock – geprägt von eigenen Kompositionen, Bearbeitungen und Improvisationen.

Der Künstler

Jean Guillou
Jean Guillou

Nach autodidaktischen Studien in Klavier und Orgel wurde Jean Guillou im Alter von 12 Jahren Organist an der Kirche Saint-Serge in seiner Heimatstadt Angers. Ab 1945 studierte er am Pariser Konservatorium, wo Marcel Dupré, Maurice Duruflé, Rolande Falcinelli und Olivier Messiaen zu seinen Lehrern zählten. Von 1955 bis 1958 unterrichtete er als Professor für Orgel am Instituto de Musica Sacra in Lissabon (Portugal).
Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Berlin (1958-1963) wurde Guillou 1963 zum Titularorganisten an Saint-Eustache in Paris ernannt, wo er André Marchal nachfolgte.
Als brillanter Konzertorganist und Improvisator ist Jean Guillou weltweit in Erscheinung getreten. Darüber hinaus konzertiert er erfolgreich als Pianist, der die britische und französische Erstaufführung einer vergessenen Klaviersonate der Romantik-Epoche von Julius Reubke spielte.
Sein Engagement im Orgelbau führte zur Konzeption mehrerer bedeutender Instrumente, wie in der Kirche Notre-Dame-des-Neiges in Alpe d'Huez, in der Kirche Chant d'Oiseaux in Brüssel, der Tonhalle Zürich, im Konservatorium von Neapel, Saint-Eustache in Paris und dem Auditorio de Tenerife in Santa Cruz.
Neben seinem umfangreichen kompositorischen Schaffen, das die verschiedensten Gattungen umfasst, hat Guillou zahlreiche Transkriptionen von Orchester- und Klavierwerken für Orgel erstellt. Darunter sind Werke von Händel, Liszt, Mozart, Mussorgsky, Prokofjew, Rachmaninow, Strawinsky, Tschaikowsky und Vivaldi sowie Orgelfassungen der Goldberg-Variationen und des Musikalischen Opfers von Johann Sebastian Bach.
Von 1970 bis 2005 unterrichtete Guillou bei den jährlichen Zürcher Meisterkursen Künstlerisches Orgelspiel und Improvisation. Seit 2007 finden diese Orgelkurse ihre Fortsetzung in der Pariser Kirche Saint-Eustache (2009 in Angoulême).
Der multilinguale Orgel-Virtuose Guillou ist für Konzerte und Festwochen beinah öfter in Deutschland zu hören als im eigenen Land. Er ist weder Mainstream, was die Traditionen des Orgelspiels angeht, noch ein Mann der Kirche - das macht ihn manchen suspekt. Nur in St. Eustache ist der „Maitre“ unumstritten seit Jahrzehnten.